Zivis im Einsatz für eine barrierefreie Hochschule

Zu Beginn des kommenden Wintersemesters nehmen erneut zwei junge Männer an der RWTH Aachen ihren Zivildienst auf. Sie treten die Nachfolge der ersten beiden Zivildienstleistenden der Hochschule, Jamil Sumiri und Arif Lahu, an. Neun Monate lang standen sie behinderten und chronisch erkrankten Studierenden zur Seite.

Die beiden Helfer begleiteten Rollstuhlfahrer, Sehbehinderte oder Gehörlose zu Vorlesungen, assistierten beim Bücherausleihen oder holten das Essen in der Mensa. In den Semesterferien unterstützten sie die gehörlosen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Interdisziplinären Forschungsgruppe DESIRE (Deaf and Sign Language Research Team - Aachen).

Für den direkten Draht zu den Studierenden werden die Zivildienstleistenden mit einem Diensthandy ausgestattet. Seine Zeit an der Hochschule beschreibt Sumiri als vielseitig und interessant: „Ich habe in dieser Zeit viel gelernt, aber auch viel Spaß mit den zu betreuenden Studenten gehabt. Vom Mitschreiben in Physikvorlesungen bis zum Erlernen der Deutschen Gebärdensprache war alles dabei“.

Ein erfolgreiches Studium bedeutet für Menschen mit Behinderung oder einer chronischen Erkrankung einen ungleich höheren Organisations- und Kraftaufwand. Um für diese Studierendengruppe mehr Chancengerechtigkeit zu schaffen, wurde auf der diesjährigen Hochschulrektorenkonferenz die Empfehlung "Eine Hochschule für Alle" verabschiedet. Mit ihr beschlossen die 257 Mitgliedshochschulen, sich stärker auf die besonderen Belange von Studierenden mit Behinderung oder chronischer Krankheit einzustellen und zielführende Maßnahmen zu ergreifen.

In diesem Sinne werden an der RWTH Aachen zurzeit verschiedene Neuerungen umgesetzt. „Zu Beginn des Wintersemesters wird jetzt ein Ruhe- und Serviceraum mit Liegesofa, zwei behindertengerechten Arbeitsplätzen und Schließfächern eröffnet, im November ist dann im SuperC eine Veranstaltung zum Thema „Barrierefreie Hochschuldidaktik“ geplant“, berichtet Sandra Ohlenforst, Interessenbeauftragte der behinderten und chronisch kranken Studierenden (IbS) des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) der RWTH. Gemeinsam mit Hermann-Josef Kuckartz, dem Beauftragten des Rektorats für Behindertenfragen Studierender, ist sie Ansprechpartnerin für Kommilitoninnen und Kommilitonen, die während ihres Studiums auf Unterstützung angewiesen sind.

Dreimal wöchentlich finden in den AStA-Räumen Sprechstunden statt, in denen über Themen wie Nachteilsausgleich, Befreiung vom Studienbeitrag, behindertengerechter Wohnraum und weitere Möglichkeiten der Unterstützung informiert wird. Einige Studierende begleitet Ohlenforst seit Jahren sehr eng, so dass sie von Problemen und Schwierigkeiten aus erster Hand erfährt. „Herr Kuckartz und ich bemühen uns zurzeit beispielsweise um einen barrierefreien Chemielaborarbeitsplatz und eine behindertengerechte öffentliche Toilette in der Pontstraße“, berichtet Ohlenforst, die im Rahmen des Wettbewerbs „Exzellente Lehre“ auch ein detailliertes Konzept für eine barrierefreie Hochschule erarbeitet hat. Eine aktualisierte Informationsbroschüre mit dem Titel „Die RWTH aus anderer Perspektive“ wird zum Jahresende Auskunft über alle Neuerungen und Serviceangebote für behinderte und/oder chronisch kranke Studierende geben.

Weitere Informationen gibt:
Sandra Ohlenforst
Interessenbeauftragte behinderter und/oder chronisch kranker Studierender
c/o AStA der RWTH Aachen
Telefon: 0241-80 9 3792 oder 80 9 3787

sowie
Dipl.-Verw. Wirt. Hermann-Josef Kuckartz
Beauftragter des Rektorats für Behindertenfragen Studierender
RWTH Aachen
Telefon: 0241-80 94338